
AUDIO: Zuse-Computer-Museum in Hoyerswerda muss schließen (4 Min)
von Michael Bartsch, MDR Kulturdesk
- Am vergangenen Freitag öffnete das Zuse-Computer-Museum in Hoyerswerda zum letzten Mal für Besucher.
- Trotz hoher Bedeutung für die Technikgeschichte geriet das Museum zunehmend unter finanziellen Druck.
- Als die Schließung bereits entschieden war, gab es noch Versuche, das Museum zu retten. Doch bislang ohne Erfolg.
Eine Gruppe älterer Ingenieure aus Dresden ist kurz vor der Schließung des Zuse-Computer-Museums (ZCOM) noch einmal nach Hoyerswerda gefahren. Sie haben damals beim DDR-Computerkombinat " Robotron " mit einigen der hier ausgestellten Exponate gearbeitet. "Es kann nicht wahr sein, dass das hier verschwinden soll", sagt einer von ihnen fassungslos.
Konrad Zuse gilt als "Vater des Computers".
Trägerstiftung verkündet Ende des Computer-Museums
Seit die Trägerstiftung ZCOM am 1. Juli 2026 das Ende des Museums verkündet hat, fühlen offenbar viele wie diese Ingenieure. 3.600 Besucher wurden in diesen zwei Monaten gezählt, etwa ein Drittel der Gesamtzahl des Vorjahres. Die im Gründungsjahr 2017 angepeilten mindestens 30.000 Gäste jährlich und die damit verbundenen Einnahmen blieben indessen stets eine Illusion. "Wir sind keine Modellbauausstellung, wir sind ein Wissenschaftsmuseum", erklärt Fördervereinsvorsitzender Wolfgang Kunde. "Wir sind kein Erlebnisbereich, wir sind ein Bildungsstandort. Und Kultur und Bildung wird immer ein Zuschussbetrieb bleiben."
Wenn diese Ausstellung schließt und abgebaut wird, dann ist dieses Musem verloren, zerstört. Wolfgang Kunde, Vorsitzender des Fördervereins
Wolfgang Kunde vom Förderverein sieht nicht mehr viele Chancen für das Zuse-Museum.
Das Museum befindet sich im Sockelgeschoss eines Plattenbaus am Rande der Hoyerswerdaer Neustadt und bildet die Entwicklung des Computers von den Anfängen bis heute ab. Als Zuses Vermächtnis sieht Kunde, "dass er die gesamte Rechner-Architektur, so wie sie heute noch gültig ist, aufgestellt hat."
Konrad Zuse
Konrad Ernst Otto Zuse wurde 1910 in Deutsch-Wilmersdorf geboren. 1923 zog er mit seiner Familie nach Hoyerswerda, wo er später sein Abitur ablegte. Bereits als Jugendlicher tüftelte Zuse an Erfindungen. 1941 baute er mit dem "Z3" den ersten funktionierenden Computer der Welt.
Den größten und einmaligen Schatz des Museums sehen Besucher der tausend Quadratmeter großen Ausstellungsfläche gar nicht. In den Kellerdepots hat der Förderverein 18.000 Geräte gesammelt. Hinzu kommt eine Fachbibliothek mit 6.000 Bänden. Eine Sammlung, für die es kein Lager gibt, wenn das Museum bis zum Jahresende komplett aufgelöst werden soll.
1941 entwickelte Konrad Zuse den ersten funktionierten Computer, den "Z3" – hier im Nachbau.
Zähes Ringen um die Finanzen in Hoyerswerda
Schon 2025 hatte der Aufsichtsrat der städtischen Wohnungsgesellschaft, die das Museum beherbergt, dessen Schließung beschlossen. Sie gab 2017 das bescheidene Stiftungskapital für die tragende ZCOM-Stiftung und schoss jährlich 300.000 Euro für den Museumsbetrieb zu – bis der Aufsichtsrat meinte, in Krisenzeiten diese aufgabenfremde Kulturausgabe nicht mehr verantworten zu können.
Auch Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh deutet an, dass dieses Konstrukt ein Geburtsfehler war. Man habe aus dieser Entscheidung gelernt. Auch das Neustadtforum sollte durch die Wohnungsgesellschaft betrieben werden. "Das war eines der ersten Dinge, die ich abgeschafft habe", so Ruban-Zeh.
Das Zuse-Museum gehörte bisher fest zur Neustadt in Hoyerswerda.
Im März 2026 hatte der Oberbürgermeister schon die breite Mehrheit des Stadtrates mit der Absicht hinter sich gebracht, ersatzweise den jährlichen städtischen Zuschuss auf 300.000 Euro zu erhöhen. Das hätte zusammen mit den 100.000 Euro des Kulturraumes und anderen Förderern den Jahresbedarf von einer halben Million Euro gedeckt. Doch dann überwarfen sich der Förderverein und die neue Museumsleiterin, sagt der Vorsitzende des Fördervereins, Wolfgang Kunde: "Ein Grund für die jetzt entstandene Lage ist die fehlende Kommunikation mit der ehemaligen Museumsleiterin."

Museum in Geldnot
Hoffen auf einen Sponsor: Wie das Zuse-Computer-Museum Hoyerswerda die Schließung abwenden will
Daraufhin strich der Stadtrat Ende Juni mit ganz knapper Mehrheit auch noch den verbliebenen städtischen Zuschuss. Mitte Juli wurde mit einem anonymen Spender verhandelt, der einmalig 250.000 Euro geben wollte, aber Bedingungen stellte: Der bisherige Standort sollte erhalten bleiben und die Museumskonzeption modernisiert werden.
Kulturelles Erbe steht auf dem Spiel
Es gibt zwar bereits ein neues museumspädagogisches Konzept, nur kein Geld für dessen Umsetzung. Eine Bitte des Fördervereins um 200.000 Euro Unterstützung wurde nach eigenen Angaben vom Sächsischen Kulturministerium ignoriert, obschon das Zuse-Museum 2017 den sächsischen Museumspreis erhalten hatte. Was macht die Stadt, die sich "Konrad-Zuse-Stadt Hoyerswerda" nennt, nun mit ihrem Ehrenbürger? Oberbürgermeister Ruban-Zeh beantwortet die Frage so: "Wir werden im Neustadtforum, was Ende diesen Jahres wieder ans Netz geht, einmal über Bilder, aber auch über Technik, aber nicht so viel, einfach Zuse gedenken."

Nachrichten personalisieren
MDR.de bei Google als bevorzugte Quelle wählen
Auch ein Verbund mit der ehemaligen Brikettfabrik Knappenrode wird erwogen. Damit wäre das Zuse-Computer-Museum immerhin Teil des Zweckverbandes Sächsisches Industriemuseum, worum es sich lange vergeblich bemüht hat. Fördervereinsvorsitzender Wolfgang Kunde winkt resigniert ab: "Wenn diese Ausstellung schließt und abgebaut wird, dann ist dieses Musem verloren, zerstört. Es braucht Jahre, bis man was Neues entwickeln würde." Und wer das dann bezahlen soll, sei die zweite Frage.
Quelle: MDR SACHSEN
Redaktionelle Bearbeitung: lm, sg
Dieses Thema im Programm:
MDR KULTUR | 31.08.2026 | 08:10 Uhr

Museum in Geldnot
Zuse-Museum schließt vorerst wegen Geldnot

Hoyerswerda
250.000 Euro für das Zuse-Museum in Hoyerswerda?
Mehr Kulturmeldungen aus Sachsen
- Erich-Kästner-Preis des Presseclubs Dresden für Schauspieler Samuel Koch
- Kieritzsch: So wollen die Dorfbewohner ihren Friedhof retten
- Dresden: Neue Ausstellung in Dresden zeigt Fotografien aus 35 Jahren Zeitgeschichte
- Festival in Chemnitz: Wie sich das Kosmos 2026 neu erfindet
- Film "Becoming Kim": Leipziger Regisseurin rettet mit Doku ihre deutsch-koreanische Ehe
Mehr aus Bautzen, Hoyerswerda und Kamenz

Unterrricht fällt aus
Schadstoff-Alarm: Schule mit 260 Kindern bei Bautzen geräumt
Wegen ausgetretener Schadstoffe hat die Feuerwehr eine Grundschule in Schirgiswalde-Kirschau evakuiert. Der Unterricht fällt bis einschließlich Dienstag aus.

Fahrzeugdiebstahl
Bei Probefahrt gestohlen: Polizei finden Auto in Radeberg
Ein Mann interessiert sich für einen Gebrauchtwagen. Das Autohaus lässt ihn damit Probefahren - und sieht das Auto erst einmal nicht wieder.

Ultraleichtflugzeuge
"Der Mensch ist eigentlich nicht fürs Fliegen gedacht" - Pilotenausbildung in Kamenz
Auf dem Flugplatz Kamenz geht es um mehr als ums Abheben und Landen von Flugzeugen. Für manche wird dort der Traum vom Fliegen im Cockpit wahr. Und nicht nur das.

Nach Schlägerei
Kamenz tauscht Sicherheitsdienst beim Forstfest aus
Nach einer Schlägerei mit mindestens 18 Beteiligten auf dem Kamenzer Forstfest hat die Stadt die Security ersetzt. Nach ihrer Einschätzung reagierten Sicherheitskräfte unangemessen.

Falsche Verdächtigungen
Schule warnt vor unbekanntem Mann - Polizei spricht von "Hexenjagd"
Eine Warnung der sorbischen Grundschule Räckelwitz bereitet Eltern Sorgen um ihre Kinder. Doch die Polizei gibt Entwarnung und kritisiert das Verbreiten von Fake-News.

Zu wenige Kinder
Bautzen zahlt Kita-Personal Abfindungen
Die Stadt Bautzen will Abfindungen für Erzieherinnen und Erzieher in städtischen Kitas zahlen, damit sie freiwillig gehen. Das hat gestern der Stadtrat beschlossen.

Finanzierungslücke
140.000 Euro fehlen für Geburtenstation Kamenz
Nach den Kürzungen im ÖPNV fehlen trotzdem noch 140.000 Euro für die Rettung der Geburtenstation in Kamenz. Wie die Finanzierungslücke geschlossen werden soll, ist bislang offen.

Nachrichten aus Bautzen, Hoyerswerda und Kamenz
Aktuelle Nachrichten, Videos und Bilder aus Ostsachsen: Bautzen, Hoyerswerda, Kamenz, Bischofswerda, Radeberg, Ottendorf-Okrilla, Großröhrsdorf, Lauta, Pulsnitz, Sohland, Bernsdorf, Schirgiswalde-Kirschau, Wittichenau.
Mehr aus Sachsen

Neue Cowboy-Ampel
Old Shatterhand regelt jetzt den Verkehr in Radebeul
In Radebeul regelt nun ein Cowboy den Verkehr. Das Geschenk aus der saarländischen Partnerstadt St. Ingbert erinnert an Karl Mays Alter Ego Old Shatterhand.

Polizeieinsatz
Auto durchbricht Schultor in Leipzig: Kind leicht verletzt
Ein Auto hat am Montag das Tor einer Leipziger Grundschule durchbrochen und ein Kind leicht verletzt. Die Polizei prüft einen möglichen medizinischen Notfall der Fahrerin.
Tanz-Zentrum Chemnitz

Kita, Grundschule & Co.
In Leipzig startet neuer Bildungscampus für rund 2.000 Kinder
Im Lene-Voigt-Park in Leipzig wurde am Montag ein neuer Bildungscampus offiziell eingeweiht. Dort sollen künftig Kita, Gymnasium, Grund- und Oberschule auf einem gemeinsamen Gelände lernen.

Energiewende
Größter Batteriespeicher Deutschlands: Baustart in der Lausitz
Mit Milliardeninvestitionen plant die LEAG den Ausbau von Solar- und Windenergie in der Lausitz bis 2030. Das Projekt verspricht klimaneutrale Energie, innovative Speichertechnologien und tausende neue Arbeitsplätze.

Spendenaktion
Wasserschleppen nach Havarie: Tiergarten Höckendorfer Heide hofft auf Hilfe
Der Tiergarten Höckendorfer Heide in Klingenberg hat ein Wasserproblem: Der Anschluss ist defekt. Nun werden Spenden gesammelt, damit der Park ans kommunale Wassernetz angeschlossen werden kann.

Der MDR vor Ort
"Dein Ort. Deine Themen." in Freiberg: Vorbeikommen, mitreden, hinter die Kulissen schauen
Am 12. September wird die Freiberger Altstadt Dialogbühne: Stellen Sie Ihre Fragen, geben Sie Feedback und bringen Sie Ihre Themen direkt ins Gespräch. Kommen Sie vorbei!

Höhlen, Felden, Aussichtspunkte
Neues Wanderziel im Vogtland: Auf den Spuren der "Aussteiger"
Neuer Rundweg im Vogtland eröffnet: Der "Pfad der Aussteiger" verbindet Natur, regionale Geschichte und digitale Erlebnisse auf zehn Kilometern.




